Die Spinne an der Wand

 

 Ich sehe etwas an der Wand, oberhalb von dem Liegeplatz meiner Tochter und sage:

„Spatzl, was ist das an der Wand?“

Meine Tochter springt auf und verlässt mit einem lauten Schrei ihren Platz und sucht Schutz bei unserem Hund.

Dies geschieht im Bruchteil einer Sekunde.

Das, was da an der Wand klebt, ist eine große schwarze Spinne mit haarigen, dicken Körper.

Mein Herz klopft laut und Panik klopft an meine Türe.

Warum löst ein im Grunde harmloses kleines Tier, ein solches Grauen in uns aus?

Immer schon habe ich regelrechte panische Angst vor diesen großen, schnellen Spinnen.

Normalerweise wäre auch ich aufgesprungen und aus dem Zimmer gerannt. Bestenfalls hätte ich den Staubsauger geholt und die Spinne eingesaugt. Zum einen haben wir jedoch seit längerem keinen Staubsauger mehr, da er kaputt ist, was mich wiederum in der Annahme bestätigte, es geht auch ohne Staubsauger, zum anderen, denke ich anders über alles und das beinhaltet auch, sauge keine Spinnen ein.

Also sitze ich da, höre auf den Herzschlag meines rasenden Herzens und ignoriere dieses körperliche Martyrium.

Kann irgendetwas Gottes Sohn angreifen? Eine Spinne? Ein Drache? Ein Ungeheuer?

Ich stehe auf und hole einen großen Plastikbecher aus der Küche. Ich fange die Spinne ein und bringe sie nach draußen, weit weg von unserer Eingangstüre. Als ich so in meinem weißen Nachthemd, barfuß zur Straße laufe, fühle ich den Herzschlag der Angst, als wäre ich dieser Herzschlag.

Ich bin nicht dieser Herzschlag, denke ich, was auch immer ich bin, dieser Körper ist nur mein Mittel zum Zweck. Und was ich bin, werde ich auch noch herausfinden. Ich lasse die Spinne mit guten Wünschen von dannen ziehen und gehe zurück in unsere Wohnung. Leider habe ich bei der Aktion Kleinwildjagd einen ihrer Beine amputiert, welcher noch an der Wand hängt. Dies tut mir sehr leid und ich vergebe mir, nicht achtsamer gewesen zu sein.

Ich lege mich wieder auf meinen Platz und versichere meiner Tochter:“ Spatzl, es gibt nichts zu fürchten, hab keine Angst, ich achte auf dich, solange bis auch du erkennst, es gibt nichts zu fürchten.“

Kurz darauf ist sie eingeschlafen.

Ich liege noch eine Weile wach und denke an die Spinne und an Gott.  

Manche Menschen gehen anhand ihrer Ängste, Phobien, Süchte Seelendämonen usw., zu einem Arzt oder Therapeuten oder suchen Hilfe in Alkohol, Drogen und Pillen. Ich gehe zu Gott.

Mit Gott zusammen bin ich eins und eins sein ist Vollkommenheit.

Da ich die Spinne und die Situation erschaffen habe, frage ich jetzt, warum und wozu?

Ich werde Antwort erhalten. 

Auch wenn Du zu einem Arzt gehst oder Pillen und sonstiges nimmst, um dem Grauen Herr zu werden, auch wenn Du traurig bist und nicht weißt warum, auch wenn Du ein gutes Leben hast und dennoch am Leben verzweifelst, auch wenn Du denkst, nicht würdig zu sein, nicht gut, nicht stark, auch wenn Du glaubst es ist die dunkelste Nacht und der graueste Tag, auch wenn Du das Gefühl hast, alles bricht auseinander, so ist das in Ordnung, es ist nicht schlimm.

Du brauchst Dich nie schuldig fühlen, wegen nichts.  

Jedoch, vielleicht denkst Du an die Spinne an der Wand, wenn es nötig ist und es wird Dir helfen.

Du bist nicht alleine.

 

Gute Nacht mein Bruder, ich liebe Dich und ich liebe die Spinne